Teil 2 – Einordnung, Haltung und was diese Reihe leisten soll
Bevor ich konkret auf Tools, Prompts oder einzelne AIs eingehe, ist mir eines wichtig vorwegzunehmen. Nicht als Rechtfertigung, sondern als Haltung.
Ich war in den letzten Jahren bei mehreren Seminaren und Kursen zum Thema KI und Buchschreiben. Einfach, weil mich interessiert hat, was da draußen gerade passiert, was möglich ist und wohin sich das Ganze entwickelt. Meine ehrliche Meinung nach all dem ist relativ klar: Ich glaube nicht, dass es jemals eine AI geben wird, die den Beruf des Autors wirklich ersetzen kann. Schreiben, Geschichten erzählen, Figuren erschaffen, das wird immer etwas zutiefst Menschliches bleiben.
Natürlich kann man theoretisch darüber spekulieren, dass irgendwann eine so hochentwickelte AI existiert, dass wir Menschen überflüssig werden. Aber selbst wenn dieser Punkt irgendwann erreicht werden sollte, sind wir im Moment noch sehr, sehr weit davon entfernt. Und das merkt man besonders dort, wo es komplex wird: bei Dramaturgie, bei mehrschichtigen Figuren, bei emotionalen Entwicklungen, bei dem, was zwischen den Zeilen passiert.
Ja, man kann sich von einer AI Grundideen holen. Das funktioniert sogar recht gut. Als Ausgangspunkt, als Impuls, als Rohmaterial. Aber die eigentliche Komplexität einer Geschichte, der Aufbau eines tragfähigen Plots, die innere Logik, die Spannungskurve über viele Seiten hinweg, all das kann eine AI nach meiner Erfahrung nicht eigenständig leisten.
Im Internet gibt es unzählige Kurse und Seminare, die genau das versprechen: Romane, die vollständig mit KI geschrieben werden. Ich habe mir einiges davon angesehen, manches ausprobiert, vieles kritisch beobachtet. Und ich muss ehrlich sagen, ich erkenne solche Texte mittlerweile sehr schnell. Nicht aus Arroganz, sondern aus Erfahrung.
Ich habe selbst vor Jahren einen klassischen Autorenkurs gemacht, lange bevor KI ein großes Thema war. Dieser Kurs hat mir enorm geholfen, was Struktur, Plotaufbau, Figurenentwicklung und dramaturgisches Denken betrifft. Dieses Fachwissen prägt meinen Blick bis heute. Wenn eine AI einen Text schreibt, sehe ich es sofort. Oft sind es diese typischen Muster: kurze Sätze. Punkt. Nächster kurzer Satz. Neue Zeile. Punkt. Dieses mechanische Rhythmusgefühl, das man kaum überliest, wenn man einmal darauf sensibilisiert ist.
Natürlich kann man einer AI sagen, sie soll verschachtelter schreiben. Dann produziert sie auch lange Sätze, manchmal sehr lange, mit vielen Kommata. Aber dann fehlt oft das Gefühl für Rhythmus, für Atem, für das natürliche Wechselspiel aus Länge, Kürze, Pause und Spannung. Stil ist mehr als Satzlänge. Und genau da liegt der Unterschied.
Für mich ist deshalb klar: AI kann helfen. Aber schreiben muss man selbst.
Ich nutze AI zum Beispiel dann, wenn ich bei bestimmten Szenen nicht weiterkomme. Erotische Inhalte gehören definitiv dazu. Nicht, weil ich sie nicht schreiben könnte, sondern weil ich mich dabei oft schwer tue, den Einstieg zu finden. In solchen Fällen lasse ich mir von einer AI mehrere mögliche Szenenideen oder grobe Textbeispiele geben. Wortwörtlich als Inspiration. Und dann passiert etwas sehr Menschliches: Ich lese das, denke mir „ah, okay, so könnte man es auch denken“, und schreibe anschließend meine eigene Szene. Mit meiner Sprache, meinem Ton, meinen Bildern.
Genauso nutze ich AI, um meine eigenen Texte noch einmal gegenzulesen. Um mehr Show statt Tell herauszuarbeiten, um Stellen zu erkennen, an denen ich zu erklärend werde oder an denen Spannung verloren geht. Das ersetzt kein Lektorat, aber es kann ein wertvoller Zwischenschritt sein.
Was ich allerdings sehr kritisch sehe, ist das Schreiben ganzer Bücher ausschließlich mit KI und deren Verkauf, zum Beispiel über Amazon. Davon halte ich nichts. Und ehrlich gesagt noch weniger von der Vorstellung, selbst so zu arbeiten. Ich könnte kein Buch veröffentlichen, von dem ich wüsste, dass es im Kern nicht von mir stammt. Damit würde ich kein ruhiges Gewissen haben.
Deshalb ist diese Blogreihe auch kein Plädoyer für KI-Schreiben, sondern eher eine neugierige Bestandsaufnahme. Ich teste verschiedene AIs, vergleiche sie, schaue mir ihre Stärken und Schwächen an, ohne sie überzubewerten. Nicht ernsthaft im Sinne von „das ersetzt mein Schreiben“, sondern aus Interesse, aus Neugier, aus dem Wunsch heraus, mich weiterzubilden und den Überblick zu behalten.
Und genau hier setzt der eigentliche Plan dieser Reihe an.
In den kommenden Beiträgen möchte ich meine Erfahrungen bündeln: Welche AIs es gibt, wofür sie geeignet sind, wo ihre Grenzen liegen. Es wird Übersichten geben, vermutlich auch Tabellen, einfach um Vergleichbarkeit zu schaffen. Eine Art Linkliste ist ebenfalls geplant, inklusive transparenter Hinweise auf mögliche Referral-Links.
Außerdem werde ich ausführlicher auf Prompts eingehen. Darauf, wie wichtig es ist zu wissen, wie man mit einer AI spricht, und warum gute Ergebnisse selten Zufall sind. Auch hier gilt: Erfahrung, Stilkenntnis und ein Gefühl für Sprache sind entscheidend. Und ja, auch dabei hilft mir ChatGPT selbst, insbesondere beim Feinschliff von Prompts. Für mich ist das kein Widerspruch, sondern Teil des Prozesses.
Diese Reihe soll wachsen dürfen. Mit neuen Erkenntnissen, neuen Tools und auch mit kritischen Gedanken. Sie ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern eine Momentaufnahme meines Schreiballtags zwischen Neugier, Skepsis und dem festen Willen, meine Geschichten weiterhin selbst zu erzählen.
Im nächsten Teil werde ich deshalb ganz bewusst darüber schreiben, wo für mich die Grenze liegt. Was AI in meinem Schreibprozess nicht tut und auch nicht tun soll. Denn genau diese Abgrenzung ist für mich der Kern von allem.
